Psychische Erkrankungen:

Psychosen z.B. Schizophrenie treten bei ca. 1% der Bevölkerung weltweit mit ähnlicher Häufigkeit auf.
Entsprechend scheint das kulturelle Umfeld keine Rolle zu spielen.

Die Zyklothymie wurde als phasenweise verlaufende Erkrankung im Wechsel zwischen Depression und Manie (extremes Machtgefühl, gesteigerter Antrieb, völlig fehlende Möglichkeit zur Risikoabschätzung) beschrieben.
Die Erkrankung gibt es aber auch im monophasischen Verlauf, also jeweils nur depressiv (endogene Depression) oder nur manisch. Auch hier wurde weltweit eine Häufigkeit von 1% angegeben.

Nach der internationalen Krankheitsklassifikation (ICD 10) wird in absolut nicht nachvollziehbarer Weise jede Depression als endogene Depression eingruppiert.
Die reaktive Depression als Folge schwerer Belastungen gibt es nicht mehr.

Man hat also einfach die Definitionen geändert und die reaktive Depression als Manifestation einer endogenen Depression bezeichnet. Wer so handelt, der verschiebt die Krankheitsursache zum Betroffenen hin, dessen Besonderheiten die Erkrankung auslösen.
Umgekehrt entlässt diese Einschätzung die Gesellschaft aus der Verantwortung.

Diese Definitionsänderung, die gesellschaftliche Ursachen der Depression als nachrangig ansieht, hat schlimme Folgen. Die Gesellschaft braucht sich nicht zu ändern.
Kein Plus an Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit, gegenseitiger Hilfe.
Auch eine soziale Marktwirtschaft ist dann überflüssig, sie gefährdet ohnehin nur die Wettbewerbsfähigkeit.

Diese Definitionsänderung verstehen zunehmend viele Menschen als Aufruf zum Doping, weil sie nicht als Sondermüll bei der Agentur für Arbeit entsorgt werden wollen.
Wer aber Medikamente einnimmt, um in einer kranken Gesellschaft mithalten zu können, der kann die Zeit seiner aktiven gesellschaftlichen Mitarbeit verlängern.
Der Preis ist aber für das Individuum sehr hoch, bis hin zur Demenz oder Pflegebedürftigkeit, womöglich schon vor dem 50. Geburtstag.

Die Medizin unserer Zeit ist nicht geeignet, das soziale Umfeld, in dem wir alle leben müssen, so zu verändern, daß weniger Menschen erkranken.
(Die Politik aber erst recht nicht).

Es gibt Medikamente, die Leiden mindern können, es herrscht aber ein Scheuklappen-Denken, bei dem potentiell hilfreiche Pflanzen (Cannabis oder Johanniskraut) ausgeblendet werden. Potentiell abhängigkeitserzeugende Medikamente werden strikt vermieden.
Antidepressiva und Neuroleptika haben oft persönlichkeitsmodifizierende Eigenschaften (wie auch Cannabis), darüber hinaus teilweise aber schwere, auch unumkehrbare Nebenwirkungen. Die Medikamente aus diesen Gruppen werden erschreckend unkritisch angewendet.
Alles aber ändert nichts am sozialen Umfeld. Wir werden uns immer mehr auf einen Anteil von 5 bis 10% sozial behinderter Menschen einstellen müssen. Die passen nicht in unsere Lebensrealität.
Sind diese Menschen behindert, oder unsere Gesellschaft? Wohl eher das letztere, denn 10% ausgegrenzte Menschen sind ein extrem hoher Preis!

Die Psychiatrie kennt eigentlich über Jahrhunderte hinweg ihre Aufgabe, die gesellschaftlich unangepaßten Menschen zu betreuen und/oder zu separieren. Dieses Phänomen ist leider nicht hinreichend im Bewußtsein der psychiatrisch tätigen verankert.
Entsprechend ist auch die Fähigkeit zur Selbstkritik in der Psychiatrie wieder erheblich unterentwickelt.

So ist nur ein recht kleiner Anteil depressiver/manischer und psychotischer Erkrankungen unserem Erbgut begründet.
Alles darüber hinaus sind gesellschaftliche Opfer, es werden immer mehr.